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| Capoeira

Von Baden nach Athen: Erfolge bei den offenen Meisterschaften von ABADÁ-Capoeira

Das Team aus Dossenheim mit Mestre Cobra (3. v.r.) (v.l.n.r. Julia Sgrott, Per Böse, Ronja Langer, Harlem Souza-Otto, Antonio Trinade, Len Böse, Daria Kaschuba, Foto: N. Bruder)

Szene aus einem Capoeira-Kurs mit Mestre Cobra (Foto: N. Bruder)

Bei den offenen Meisterschaften von ABADÁ-Capoeira konnten die Teilnehmenden aus Baden groß auftrumpfen. Besonders erfolgreich waren die Dossenheimer Capoeiristas: Harlem Souza-Otto gewann den 1. Platz beim Liederwettbewerb, Julia Sgrott erreichte den 2., Len Böse den 3. und Per Böse sowie Ronja Langer jeweils die 4. Plätze ihrer Kategorien.

Vier Tage lang stand Athen ganz im Zeichen der Capoeira: Vom 22. bis 25. Januar 2026 fanden die “Jogos abertos de Inverno” (pt. für “offene Winter-Meisterschaften”) von ABADÁ-Capoeira statt. Organisiert von Fabio Paz (Professor Taz) und seinem Athener Team, trafen sich rund 80 Wettkampfteilnehmende aus mehr als zehn Ländern, um sich in Musik und Capoeira-Spiel zu messen. Die besondere Atmosphäre der offenen Meisterschaften, bei denen Capoeiristas aus der ganzen Welt teilnehmen durften, prägte das Event von Beginn an.

Mit Antonio Marcelo Rodrigues Trinade (Mestre Cobra) und Anderson da Silva Ferreira (Mestrando Papagaio) aus Brasilien sowie Francisco Alves Filho (Mestre Tigre) aus Belgien und Estácio Ferreira da Silva (Mestrando Estácio) aus Stuttgart als Ehrengäste war die Veranstaltung hochkarätig besetzt. Bereits in der ersten Runde zeigte sich das hohe Niveau der Teilnehmenden, bevor in den Finalrunden jeweils die acht besten Athletinnen und Athleten pro Kategorie um die Podestplätze spielten und musizierten.

 

Wettbewerb zwischen Rhythmus, Kreativität und Spiel

Die Meisterschaften umfassten drei Wettbewerbe, die unterschiedliche Facetten der Capoeira in den Fokus rückten:

  1. Das “Festival de Cantigas” (pt. für “Liederfestival”) bot Raum für Kreativität – sowohl mit Eigenkompositionen als auch mit individuellen Interpretationen traditioneller Capoeira-Lieder. Musik ist in der Capoeira unverzichtbar. Sie bestimmt Rhythmus, Energie und Stil des Capoeira-Spiels. Gleichzeitig trägt sie Geschichte, Tradition und Gemeinschaft weiter.
  2. In der Kategorie “Berimbau” standen Präzision, Rhythmusgefühl und musikalische Ausdruckskraft im Vordergrund. Bei dem Berimbau handelt es sich um das zentrale Musikinstrument der Capoeira. Es besteht aus einem elastischen Holzbogen, auf den eine Drahtsaite gespannt ist. Diese wird mit einem dünnen Stock angeschlagen, wodurch der typisch metallische Klang entsteht.
  3. Herzstück der Veranstaltung waren die eigentlichen Capoeira-Wettkämpfe. Capoeira-Wettkämpfe unterscheiden sich grundlegend von klassischen Kampfsportarten wie Boxen oder Karate: Statt direkter Zweikämpfe stehen strukturierte Spiele ("jogos") im Mittelpunkt, die in einer Roda, dem Kreis aus Musizierenden und Zuschauenden, stattfinden. Entscheidend für den Verlauf ist der Dialog zwischen zwei Capoeiristas, der aus Angreifen, Ausweichen, Antäuschen und Akrobatik besteht – nicht das Besiegen oder Verletzen des Gegenübers.

Die Entscheidungen der Punktrichter Mestre Cobra, Mestre Tigre und Mestrando Papagaio beruhten dabei auf einer ganzheitlichen Betrachtung von Technik, Musikalität und capoeiristischem Ausdruck.

 

Lernen, Austauschen, Weiterentwickeln

Neben den Wettbewerben bot das Event ein vielseitiges Rahmenprogramm. In Capoeira-Kursen für alle Graduierungen konnten die Teilnehmenden neue Impulse sammeln und sich intensiv austauschen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Fortbildung “Abadatualização” (pt. Kofferwort aus “ABADÁ” und “atualização”, Weiterentwicklung), die sich vor allem an unterrichtende Capoeiristas richtete.

Unter der Leitung von Mestre Cobra wurden aktuelle Entwicklungen innerhalb der Schule ABADÁ Capoeira vorgestellt. Unterstützt wurde er von den anwesenden Mestres und Mestrandos sowie den eingeladenen Professores Sanhaço (Brasilien) und Corvo (Brasilien/Japan), die beide eng mit Mestre Camisa, José Tadeu Carneiro Cardoso, dem Präsidenten von ABADÁ-Capoeira, zusammenarbeiten.

 

Starke Leistungen aus Baden

Capoeiristas aus Baden waren in Athen nicht nur zahlreich vertreten, sondern auch äußerst erfolgreich. Vor allem der Verein aus Dossenheim erzielte bemerkenswerte Erfolge: 

  • Harlem Souza-Otto (Professor Baiano, Trainer im Dossenheimer Verein) überzeugte im „Festival de Cantigas“ mit seiner Eigenkomposition “Sem saída” (port. für “kein Ausweg”) und gewann den 1. Platz.
  • Julia Sgrott (Aluna Jambo) erreichte den 2. Platz in ihrer Kategorie und erhielt zusätzliche Auszeichnungen für die beste Kordel ihrer Graduierung sowie für die besten São Bento- und Benguela-Spiele (verschiedene Spielarten der Capoeira).
  • Len Böse (Graduado Duracell) belegte den 3. Platz in seiner Kategorie und wurde für das beste São Bento d’Abadá-Spiel ausgezeichnet.
  • Sein Bruder Per Böse (Graduado Rayovac) erreichte den 4. Platz in derselben Kategorie und erhielt die Auszeichnung für das beste Siriúna-Spiel.
  • Ronja Langer (Aluna Camelinha) wurde Vierte in der Jugend-Kategorie und überzeugte mit dem besten Benguela-Spiel.
  • Daria Kaschuba (Aluna Formiguinha) erreichte das Halbfinale ihrer Kategorie.
  • Bis ins Viertelfinale kämpfte sich Alfred Xhelilaj (Graduado Calopsita) aus Karlsruhe.

 

Ein Event mit nachhaltiger Wirkung

Die offenen Winter-Meisterschaften 2026 zeigten eindrucksvoll, wie lebendig und vielfältig Capoeira gelebt wird. Wettbewerb, Musik, Ausbildung und internationaler Austausch gingen Hand in Hand – und machten die Tage in Athen für alle Beteiligten zu einer intensiven und inspirierenden Erfahrung.