Rhönradturnen: was ist das?

Das Rhönrad wurde 1925 von Otto Feick im Gebiet der bayerischen Rhön als "Gerät für Belustigungszwecke" erfunden. Das Rhönrad ist ein spektakuläres Gerät: die Turnerinnen und Turner drehen sich, schleudern im Spagat, richten sich im Überschlag auf und kurven in der Spirale herum. Immer muss dabei die Schwerkraft überwunden werden, ob hängend, drehend oder stemmend. Kraft und Akrobatik, gepaart mit einem Lächeln zur Musik vervollständigen dann schließlich die Symbiose zwischen Turnern und Rad.

Wie sich ein Mensch spreizbeinig ausgestreckt in die Senkrechte kreiseln kann, will nur schwer mit physikalischem Grundlagenwissen korrespondieren. Es existieren drei Einzel-Disziplinen: das Geradeturnen, das Spiraleturnen und den Sprung. Alle drei Disziplinen zusammengefasst ergeben den Mehrkampf.

Geradeturnen

Beim Geradeturnen rollt das Rad auf beiden Reifen in einer vorgegebenen Fläche von 23 auf 3 Meter. Übungen können mit oder ohne Hilfe der Bindungen (Lederbänder zur Befestigung der Füße) ausgeführt werden. Wenn ohne Bindungen geturnt wird, erinnern manche Elemente ans Reck- oder Barrenturnen. Speziell bei den Erwachsenen ist, dass auf Musik geturnt wird, was der Geradeturnkür einen speziellen Stellenwert im Rhönradturnen verleiht.

Spiraleturnen

Beim Spiraleturnen bewegt sich das Rad nur auf einem der Reifen. Es kreist ähnlich wie eine Münze, die man andreht. Die Wettkampffläche von 13 mal 13 Metern bietet der Turnerin bzw. dem Turner Platz für die Kürübung. Eine Kürübung besteht aus mehreren Übungen in der großen Spirale, einem Abrutschen in die kleine Spirale, zwei bis drei Übungen in der kleinen Spirale und dem "in-den-Stand-führen" des Rades. In der "großen" Spirale hat das Rad einen Neigungswinkel von 60 Grad, in der "kleinen" Spirale weniger als 30 Grad. Die Turner halten das Rad durch Gewichtsverlagerung und Armzüge auf der jeweiligen Höhe.

Sprung

Der Sprung war bis 2008 nur den Männern vorbehalten. Seitdem dürfen sich auch Frauen in dieser Disziplin im Wettkampf messen. Beim Sprung wird das Rad mit Schwung angeschoben, gleich danach läuft der Turner hinter dem Rad her und lässt sich mit Hilfe eines kräftigen Absprungs auf das Rad ziehen. Aus der Grätsch-, Hock- oder Standposition oben auf dem Rad wird dann einen Sprung auf eine Weichbodenmatte ausgeführt. Dies kann z. B. ein Hocksprung, Grätschsprung wie auch ein Überschlag oder Salto sein.

Das Wettkampfprogramm

Das Wettkampfprogramm unterscheidet sich nach Leistungsklasse und dem Alter der Aktiven.

  • Landesklasse: In der sogenannten Landesklasse (L5 – L7) zeigen die Turnerinnen ein Pflicht- und Kürprogramm im Geradeturnen. Die Turner zeigen zusätzlich einen Sprung. Nationaler Höhepunkt der Landesklassen ist der alljährliche Deutschlandcup, zu dem jeder Landesturnverband seine besten drei Turnerinnen und Turner der L5 – L7 an den Start schickt.

  • Bundesklasse: Auf der nationalen Wettkampfebene, der so genannten Bundesklasse (L8 – L10) – dies entspricht dem Niveau der Bundesliga im Kunstturnen – zeigen die Aktiven zusätzlich das Spiraleturnen und den Sprung. Nationale Höhepunkte sind hier die Deutschen Meisterschaften der verschiedenen Altersklassen sowie die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften. Die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften erfolgt über die Landes- und Regionalmeisterschaften.

Eine Platzierung unter den Top 10 bei den Deutschen Einzel-Meisterschaften berechtigt die Turnerinnen und Turner zur Teilnahme an den Qualifikationswettkämpfen zu den Weltmeisterschaften, die alle zwei Jahre stattfinden.