Hauptvorträge

Für den morgendlichen Einstieg in die zwei Kongresstage konnten zwei renommierte Sprecher gewonnen werden, die mit wichtigen, zukunftweisenden Fragestellungen und spannenden Ansätzen neue Gedankenimpulse für die Gestaltung eines "aktiven Alterns" geben.

Samstag, 27. Juni 2020 | 09.15 – 10.00 Uhr

Dr. phil. Stefanie Wiloth

Lebensqualität im hohen und höchsten Alter? Was körperliche Aktivität und Sport beitragen können

Dr. phil. Stefanie Wiloth, Diplom-Gerontologin vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, führt mit ihrem spannenden und inhaltsreichen Vortrag in den ersten Tag ein. Sie spricht über das Konstrukt der Lebensqualität und seine Dimensionen. Sie stellt dar, welche Bedürfnisse, Lebensziele und Lebensthemen Menschen im dritten (das "jüngere hohe Alter") und vierten Lebensalter (das "höchste Alter") haben und welche Ressourcen für deren Realisierung und damit für den Erhalt und die Förderung von Lebensqualität eine Rolle spielen.

Damit schlägt Dr. Wiloth auch den Spannungsbogen zwischen der zunehmenden (körperlichen, geistigen und sozialen) Vulnerabilität im Alter einerseits bis zu den (protektiven) Faktoren psychischer Widerstandsfähigkeit (Resilienz) andererseits. Dr. Wiloth, selbst passionierte Sportlerin im Amateurbereich, verdeutlicht des Weiteren, welche Bedeutung der körperlichen Aktivität und dem Sport dabei zukommt und zeigt auch auf, wie Bewegungsprogramme im dritten und vierten Lebensalter und bei bereits eingetretener Pflegebedürftigkeit gestaltet sein können, um die spezifischen Lebensziele und Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren.

Sonntag, 28. Juni 2020 | 09.15 – 10.00 Uhr

Prof. Dr. Wolfgang Schlicht

Die politische Kommune als Gemeinschaft entwickeln und stärken: Ein Beitrag des Turn- und Sportvereins im demografischen Wandel?!

Deutschland steht in den kommenden Jahrzehnten vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Neben Klimawandel, Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen und Verstädterung fordert auch der demografische Wandel die Politik und die Gesellschaft heraus. Die "jungen Alten" jenseits des gesetzlichen Renteneintrittsalters werden schon in einem Jahrzehnt zur größten und auch politisch dominierenden Gruppe. Sie sind, anders als die Vorgängergenerationen, meist relativ gesund, ihre fernere Lebenserwartung rechnet in Jahrzehnten und nicht nur wenigen Jahren. Sie wollen noch etwas vom Leben. Wie aber, wenn das, was die Alten wollen, mit dem, was die Jungen wollen, in Konflikt steht. Erwächst daraus ein Generationenkonflikt? Wie könnte man dem begegnen?

Im Vortrag wirft Prof. Dr. Wolfgang Schlicht diese Frage auf. Er regt an, die politische Gemeinde zur Gemeinschaft zu entwickeln und diese zu stärken. Er zeigt auf, auf welchen Prinzipien Gemeinschaftsbildung (Community Building) beruht. Dem Turn- und Sportverein – so seine These – kann dabei eine neue Rolle zukommen, die über die bisherige Rolle als Anbieter von Bewegung und Sport hinausreicht. Der Verein wird zum "Ort", an dem Sozialkapital wächst, das im Wesentlichen auf Vertrauen basiert und an dem sich altersintegrierte Gemeinschaft bildet.